Montag, 14. september 2009
1
14
/09
/2009
13:20
Stern des Orients " Oum Kalthum "

Sie gilt als größte arabische Sängerin aller Zeiten, als leuchtendster "Stern des Orients". So ist auch ein Roman benannt, der ihre Lebens-geschichte erzählt. Es
ist eines der wenigen Bücher, aus dem man mehr über ihre Biographie erfahren kann. Ansonsten scheint es, als umgebe Oum Kalthoum (sprich: umkul'sum), einer Heiligen gleich, noch immer eine Aura
des Unaussprechlichen. 1904 geboren, spiegelt sich in ihrem Werdegang die Geburt einer arabischen Moderne.
In ihrer Jugend trat die Sängerin noch als Junge verkleidet in den Cafés ihres Dorfes auf, um nicht gegen geltende Moralvorstellungen zu verstoßen. Dort rezitierte das halbwüchsige
Beduinenmädchen gesungene Poeme. Nicht zuletzt dank ihrer Ausbildung in religiösem Gesang beherrschte sie die Kunst, auf der vollen Klaviatur der Gefühle ihrer Zuhörer zu spielen. Als sie in
den 1920ern in Kairo für ein städtisches und säkulares Publikum zu singen begann, erlebte sie einen rasanten Aufschwung.
Noch keine 30 Jahre alt, trat sie vor dem damaligen ägyptischen König Fuad auf: Schon da ohne
Schleier, dafür mit der charakteris-tischen Sonnenbrille, für die sie berühmt wurde. Später assoziierte sie sich mit den nationalistischen Generälen um Gamal Abd el-Nasser, der 1954 die Macht in Ägypten ergriff. Zusammen mit Nasser, dessen Reden sich im ägyptischen Radio mit ihren Liedern
abwechselten, stieg sie in den folgenden Jahren zum verbindenden Idol der arabischen Massen auf.
Ihr Repertoire bestand überwiegend aus dramatischen Liebes-liedern, später kam auch manch nationalistische Hymne dazu. Die meisten ihrer Stücke stammten aus der Feder des Komponisten
Ahmad Rami, dem Oum Kalthoum 132 ihrer insgesamt 286 Lieder verdankt. Über eine Stunde dauerten
manche dieser epischen Kompositionen, die sich oft in dramatische Höhen steigerten. Ihr Publikum trieb sie damit zu emotionalen Ausbrüchen, wie sich auf ihren Live-Aufnahmen aus den Fünfziger-
und Sechzigerjahren nachhören lässt.
Tief in der arabischen Tradition verwurzelt, steht Oum Kalthoum für eine behutsame Erneuerung der arabischen Musik. Als sie das Stück "Enta Omri" ("Du bist mein Leben") ihres ägyptischen Kollegen Mohammed Abd-el Wahhab sang, setzte sie sogar erstmals
elektrische Instrumente ein, was ihr auch Kritik einbrachte. Ihr Rang als wichtigste arabische Stimme des 20. Jahrhunderts blieb davon jedoch unberührt.
Als sie 1975 starb, folgten über drei Millionen Menschen ihrem Sarg durch die Straßen von Kairo, und an der offiziellen
Trauerfeier nahmen zahlreiche arabische Staatsoberhäupter teil.
von Rezan
-
veröffentlicht in: Meraq
-
empfehlen
0
Neueste Kommentare